Pucken Anleitung: Was ist das eigentlich?

Baby pucken in vier Schritten einfach aber effektiv

Das ungeborene Kind hat insbesondere in den letzten Wochen der Schwangerschaft im Mutterleib kaum Bewegungsfreiheit. Diese natürliche Enge und Begrenzung, die das Kind bei der Mutter spürt, die es kennt und die dem Ungeborenen das starke Gefühl der Sicherheit gibt, versucht man mit dem Pucken bei Säuglingen nachzubilden.

Das Pucken ist eine Wickelmethode für Babys in den ersten Lebenswochen- und Monaten. Dabei ist es keine moderne Erfindung, sondern eine alte Technik des Wickelns, die seit Jahrtausenden bereits angewendet wird. Heutzutage gibt es neben den klassischen Wickelmethoden mit Tüchern oder Decken, entsprechend angefertigte Pucksäcke, die das Pucken des Babys erleichtern.
Auf dieser Website geben wir Tipps und Anleitungen und klären auf über Vor- sowie Nachteile.

Was soll mit dem Pucken bewirkt werden?

Das Pucken hat das Ziel das Baby nach der Geburt zu beruhigen, indem es in die gewohnte Enge des Mutterleibs „zurückversetzt“ wird. Gefördert wird dadurch das Einschlafen des Babys. Die einzelnen Aspekte des Puckens hier in der Uebersicht.

Was ist der Moro-Reflex und wie hilft das Pucken?

Insbesondere durch das feste Einwickeln des Oberkörpers, wird verhindert, dass das Baby unkontrolliert mit den Armen zuckt. Diese schreckhafte, plötzliche Bewegung wird als so genannter „Moro-Reflex“ bezeichnet. Relativ häufig kann man es im Schlaf des Babys beobachten, was zum Aufwachen des Säuglings führen kann. Mit dem Pucken wird dieser Effekt zumindest stark vermindert. Auch Babys, die durch einen eventuell stark ausgebildeten Moro-Reflex gar nicht erst oder nur schwer einschlafen können, werden durch das Pucken ruhiger und schlafen tendenziell besser ein.

Wie sollte das gepuckte Baby schlafen?

Im Schlaf sollte das Baby stets in Rückenlage gelegt werden und niemals auf den Bauch. Dieser wichtige Ratschlag für einen sicheren Schlaf und zur Verhinderung des plötzlichen Säuglingstodes sollte in jedem Fall befolgt werden. Oft jedoch beobachten Eltern, dass das Baby viel lieber in Bauchlage schlafen würde und die Rückenlage für das Kind nicht sehr schlaffördernd ist. Hier kann das Pucken helfen, da viele Säuglinge auf diese Weise fest eingewickelt und die Begrenzung spürend, die Rückenlage eher akzeptieren und dadurch besser einschlafen können.

Für wen ist das Pucken am besten geeignet?

Unruhige Säuglinge oder Schrei-Babys können durch den Einsatz des Puckens ruhiger werden. Ihr Schlafverhalten und vor allem die oft kritische Einschlafphase kann positiv beeinflusst werden. Natürlich ist das Pucken kein Wundermittel oder gar Garantie zum perfekten Durchschlafen. Aber es kann helfen bei Kindern, die Probleme haben mit dem Einschlafen bzw. Durchschlafen. Neben theoretischem Wissen, ist es empfehlenswert bei Interesse das Pucken einfach auszuprobieren (siehe auch Pucken Anleitung Video) und vor allen Dingen dabei auf die Signale des eigenen Babys  zu achten. Fühlt es sich wohl? Schreit es unentwegt weiter ohne sich zu beruhigen? Verkürzen sich die Abstände, in denen das Kind nachts aufwacht? Zeigt das Kind sonstige Auffälligkeiten beim Pucken? Wirkt es gar verängstigt oder beunruhigt?

Wie wird das Baby gepuckt?

Bereits in der Antike wurden Neugeborene gepuckt bzw. genauer gesagt „gewickelt“. Dabei hatte man lange Stoffbänder dazu benutzt das Kind regelrecht einzuschnüren. Dies hatte man zumeist auch außerhalb der Schlafzeiten gemacht, was aus heutiger Sicht überhaupt nicht empfehlenswert ist: Um den Bewegungsdrang und die Entwicklung des Babys nicht zu beeinträchtigen sollte man Kinder lediglich zum Schlafen pucken. Auch werden heute keine Stoffbänder dazu benutzt. Die simpelste Form des Puckens besteht darin, das Baby mit einem Tuch (bestehend aus einem Stück Stoff) einzuwickeln und dieses entsprechend so zu fixieren, dass der Säugling sich nicht aus dem Tuch freistrampeln kann. Da es nicht ganz einfach ist, die Fixierung tatsächlich effektiv hinzukriegen, gibt es am Markt eine Reihe von Pucksäcken, die mit entsprechendem Schnitt und Klettverschlüssen die Handhabung wesentlich erleichtern.

Mit einem Pucksack gehts leicht von der Hand

Sehr beliebt sind Pucksäcke für Neugeborene. Diese Pucksäcke werden mit Klettverschlüssen fixiert, so dass das Pucken auch für Ungeübte sehr leicht von der Hand geht. Das Baby lässt sich damit fest einwickeln – gleichzeitig hat es aber ausreichend Beinfreiheit zum Strampeln. Die Pucksäcke sind oft aus Baumwolle gefertigt und es gibt sie in unterschiedlichen Größenausfertigungen (beispielsweise Neugeborene mit 3-6 kg und größere Babys mit etwa 6-10 kg) und in verschiedensten Farb- und Musterkombinationen. Es gibt auch besondere Ausfertigungen aus Bio-Baumwolle.

Pucken – wie es funktioniert – Video

In diesem Video wird Ihnen das Pucken von einer professionellen Hebamme präsentiert

Kritik am Pucken, Vor- und Nachteile

Wie bei vielen Fragen rund um die Pflege und Erziehung von Kindern, gehen auch beim Pucken die Meinungen sehr weit auseinander. Während manche Hebamme, Kinderarzt oder der ein oder andere Ratgeber das Pucken als sinnvolles schlafförderndes Mittel empfiehlt, stehen andere dem Einwickeln kritisch gegenüber und sehen darin eher eine unnatürliche „Stilllegung“ des Babys, die weniger dem Wohl des Kindes als vielmehr der oft stark ersehnten Ruhe der eventuell (schrei)geplagten Eltern dient. Auch die Wissenschaft liefert hier kein klares Bild und so ist es nicht verwunderlich, dass diverse Studien zitiert werden, die ja nach Lager in die eine oder andere Richtung scheinbar sinnvolle und nachvollziehbare Argumente liefern.

Letztlich sind es die Eltern, die – wie in tausenden anderen Fragen zum Kindeswohl auch – ihrer Verantwortung dem Baby gegenüber gerecht werden müssen und mit gesundem Menschenverstand für ihr Kind und im Sinne des Kindes entscheiden müssen, was ihrer Meinung nach das Beste ist. Nichtsdestotrotz gibt es einige kritische und beachtenswerte Punkte, die man wissen, bedenken und entsprechend handeln muss. Die wichtigsten Fakten und Verhaltenshinweise haben wir hier zusammengefasst. Davon unabhängig, ist es sinnvoll sich beispielsweise mit anderen Eltern auszutauschen, die bereits Erfahrungen mit dem Pucken gesammelt haben und sozusagen eine individuelle und funktionierende Pucken Anleitung vermitteln und weitergeben können.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BvKJ) hat 2012 zum Pucken Stellung bezogen und rät von der Wickeltechnik ab. Denn bewiesen ist: Pucken erhöht das Risiko für eine Hüftdysplasie beim Baby. Wird das Baby zu fest gepuckt, können auch Nerven abgeklemmt und die Atmung beeinträchtigt werden. Zudem besteht die Gefahr der Abplattung des Hinterkopfes, wenn das Baby durch das Pucken zu lange und häufig in Rückenlage liegt. Der BvKJ weist außerdem auf die Gefahr der Überhitzung und Dehydrierung des Babys hin, besonders im Sommer und in beheizten Räumen.

Wie bei Hitze pucken?

Es wird oft auf die Gefahr des Überhitzen des eingewickelten Babys verwiesen. Dieser Punkt hängt allerdings direkt mit dem Verhalten der Eltern zusammen. Es liegt auf der Hand, dass man das Baby im Hochsommer nicht in Body und sogar Schlafanzug zusätzlich in ein Pucktuch wickeln darf. Auch sollte man darauf achten, dass das Pucktuch oder der Pucksack aus Baumwolle gefertigt ist, die bekanntermaßen für die Temperaturregelung wesentlich besser geeignet ist als synthetische Materialien. Im Sommer bei höheren Temperaturen reicht oft ein kurzärmliger Body unter einem leichten Baumwoll-Pucksack aus. Ist das Baby krank und fiebert sollte zudem auf das Pucken vollkommen verzichtet werden.

Kann das Baby Probleme mit den Beinen bekommen?

Ein weiterer oft kritisierter Punkt ist die Stellung der Beine beim Pucken bzw. der daraus eventuell entstehenden Hüftfehlstellung. Bedenkt man das altertümliche, straffe Wickeln des Babys mit Stoffbändern (s. oben), bei dem auch die Beine extrem fixiert wurden, ist das ein berechtigter Hinweis. Beim Pucken muss also auf die Beinfreiheit des Babys geachtet werden. Moderne Pucksäcke sind bereits so geschnitten und gefertigt, dass das Kind genug Platz hat zum Strampeln.

Wie schlafen Babys mit Pucksack?

Zum Schlafen sollte das Kind unbedingt in Rückenlage gelegt werden. Das ist zunächst mal unabhängig vom Pucken zu betrachten. Wird das Baby zudem auch tagsüber oft auf den Rücken gelegt, kann es durch die relativ weichen Knochen zu einem Abplatten des Hinterkopfes führen. Dies sollte jedoch nicht als Argument gegen das Pucken angeführt werden, da wie erwähnt die Rückenlage im Schlaf immer die richtige Position ist.

Wie fest wickeln?

Das Baby sollte beim Pucken nicht zu fest eingewickelt werden, damit die Atmung nicht behindert wird.

Was sollte im Babybett nicht vorhanden sein?

Im Babybett sollten sich außer der straff bezogenen Matratze keine weiteren Dinge befinden, die evtl. das Atmen des Kindes behindern könnten. Verzichten Sie auf Kissen, Decken und ein Nestchen. Gleiches gilt natürlich für Spielzeug und Kuscheltiere. Diese haben im Bett, zumindest wenn das Baby schläft, nichts zu suchen.

Wie lange sollte man Pucken?

Als Anhaltspunkt könen Sie die Dauer des sogenannten Klammerreflex (Moro-Reflex) des Kindes ansetzen. Bei diesem Verhalten handelt es sich um plötzliche Zuckungen (insbesondere der Arme), die ganz natürlich und angeboren beim Säugling vorkommen. Die Zuckungen führen allerdings bei vielen Kindern zum Aufwachen, was durch das Einwickeln wesentlich verbessert werden kann. Dieser genetisch im Baby verwurzelte Reflex verschwindet nach etwa 3-4 Monaten.

Auf die Signale des Babys hören

Die 3-4 Monate können allerdings nur ein Richtwert sein, denn wie schon bei der Frage ob man sein Kind überhaupt Pucken sollte oder nicht, wird ihr Baby auch bei der Länge des Puckens höchstwahrscheinlich entsprechende Signale aussenden. An diesen können Sie meist deutlich erkennen, ob das Pucken noch geeignet ist.

Klappt es beim wenige Wochen alten Baby noch sehr gut mit dem Pucken, ist es nicht selten, dass irgendwann das feste eingewickelt sein und die Begrenzung einfach nicht mehr gut „ankommt“. Das Baby wehrt sich dann gegen das Wickeln und versucht sich sofort aus der gepuckten Lage zu befreien, strampelt heftig mit den Beinen und gibt keine Ruhe. An entspanntes Einschlafen ist dann nicht mehr zu denken. Eher würde das eingewickelte Kind vor Erschöpfung durch den „Kampf“ gegen den Pucksack oder die Puckdecke einschlafen. Das ist natürlich gar nicht im Sinne des Erfinders, weshalb spätestens dann die Zeit gekommen ist auf das Pucken zu verzichten.

Wann und wie sollte man das Pucken abgewöhnen?

Viele Eltern machen darüber hinaus Schluss mit dem Pucken ab dem Moment, wenn das Kind sich selbständig auf den Bauch drehen kann. Andere nutzen es bis ins Alter von einen halben Jahr oder sogar darüber hinaus. Wie oben erwähnt, gibt es hier keine eindeutige Faustregel. Es kommt auf das Baby an. Der einfachste und beste Tipp ist: Probieren Sie es aus. Natürlich muss das Kind nicht zwingend gepuckt werden, wenn es nicht nötig ist und das Baby auch ohne Puckhilfe gut schläft. In diesem Fall ist es ein Leichtes, auf einen der Temperatur angemessenen Schlafsack umzusteigen. Das ist zum Pucken abegwöhnen der einfachste Umstieg.

Wer kann mir weitere Fragen zum Thema beantworten?

Wenn Sie sich trotz allem unsicher sind, scheuen Sie nicht Ihre Hebamme oder den Kinderarzt um Rat zu fragen. Insbesondere die Hebamme hat meist viel Erfahrung und kann oft fachkundig helfen. Das Thema “Baby Schlaf” wird höchstwahrscheinlich ohnehin im Zuge der Nachsorge nach  der Geburt mit der Hebamme besprochen. Diese Termine eignen sich sehr gut, um nach einer Pucken Anleitung zu fragen.